Heilsame Ökumene (?) !

Prof. Dr. M. Konradt, Bern

Fortsetzung des Kommentars...

Dieser Vortrag kam einem "Fiasko" gleich! Prof. Konradt "rechnete" unter dem Denkmantel der exegetischen Wissenschaft mit sämtlichen Formen der Marienfrömmigkeit ab. Seine Grundthese: Anhand der Evangelien lasse sich in keinster Weise eine Verehrung Mariens ableiten!
Die Evangelien würden lediglich "Geschichten" beinhalten, die sich oftmals mit antiken motivgeschichtlichen Vorlagen und Legenden (!) deckten. Das Motiv der "Gottessohnschaft" habe gerade dort seinen Platz - und nur dort. Zudem habe Jesus unzählige "leibliche" Geschwister gehabt; und dass Josef der "leibliche" Vater Jesu sei, müsse man einfach einsehen, denn wie sonst sollte Maria schwanger werden können? Darüber hinaus habe sich Jesus als Wanderprediger und Außenseiter stets von seiner Familie, besonders aber von seiner Mutter distanziert!
Natürlich bemühte Herr Prof. Konradt eifrig die Evangelien und attestierte dem Evangelisten Markus größte Authentizität: Da Maria praktisch keine Erwähnung bei Mk finde, sei ihre Rolle nicht erwähnenswert und vollkommen unbedeutsam...

Der Vortrag endete nach lockeren eineinhalb Stunden und sofort brach eine heftige Diskussion los; die Katholiken  (und sogar einige Protestanten!) liefen Sturm und beschwerten sich zu Recht über den Vortrag. Prof. Konradt lächelte amüsiert über die Protestnoten und wiederholte stoisch seine Ansicht, dass es doch so befreiend sei, an all das nicht mehr glauben zu müssen. Es käme doch allein auf Jesus, den leiblichen Sohn Josefs und Marias an (solus Christus!). Dennoch würde er "im Sinne der zweiten Naivität" das Glaubensbekenntnis sprechen und sogar Maria als Jungfrau bekennen! Na herzlichen Dank für diese großartige Geste! Ansonsten ist es recht bequem, das Potential der Evangelien als eigene Textgattung auf den (vom neuzeitlichen Denken her gesehenen) Verständnishorizont des 21. Jahrhunderts herunterzuschrauben!

Aus Sicht der anwesenden Mönche präsentierte sich mit Prof. Konradt das Bild einer Mischung aus Rudolf Bultmann und Gerd Lüdemann. Nur ist es leider so, dass der "entmythologisierende Ansatz" eines Rudolf Bultmann bereits seit 70 Jahren passé ist. Die Evangelien sind, wie Prof. Konradt betonte, keine Tatsachenberichte...
Es sind aber bitte auch keine Legenden und bloße Geschichten, die nicht nach ihrem Wahreihtsgehalt befragt werden müssen! Dann könnte man auch an "Frau Holle" glauben oder besser den "Herrn der Ringe" lesen, das ist spannender!!!

Die große Frage ist, was bleibt, wenn ich alles in den Evangelien rational erklären will (bei aller Wertschätzung und Notwendigkeit der "ratio" im Glaubensvollzug!) und nach wie vor versuche, einen "historischen Jesus" scharf von einem "kerygmatischen Christus" (Bultmann, 1941) zu trennen? Wie erkläre ich denn die Auferstehung? Die Himmelfahrt? Das Pfingstereignis? Waren das alles nur Visionen "à la Bultmann"? Oder ist die Auferstehung "nur ein Symbol à la Lüdemann"? Geht die Sache Jesu nur so weiter...?

Man hatte den Eindruck, dass Prof. Konradt Jesus "auf Gedeih´ und Verderb´" auf den Boden holen will. Jesus war wohl "nur" ein frommer Wanderprediger, der zufällig am Kreuz geendet ist... diese Form der Irrlehre (Arianismus) ist fast so alt wie das Christentum; offenbar gehen ihr aber bis heute sogar Professoren auf den Leim! Gott sei dank wiederholte Prof. Konradt (zumindest) die Wichtigkeit des Ostergeschehens für die Urgemeinde, ohne freilich darauf einzugehen, was denn mit Ostern konkret gemeint ist; aber das war, zugegeben, ja auch nicht das Thema!

Es ist traurig, dass ein Professor für Exegese so eindimensional  flach argumentiert und offensichtlich, bei aller Intelligenz,  auch denkt. Viele Exegeten haben bereits begriffen, das die "historisch- kritische Methode" nur ein Werkzeug ist, mit dessen Hilfe die Evangelien untersucht werden können; diese Methode ist aber nicht das "non plus ultra" und wird letztlich den Evangelien und dem NT nicht gerecht, wie Papst Benedikt XVI. treffend in seinem Buch "Jesus von Nazareth" betont.

Schlimm ist es, dass Herr Konradt seine Gedanken und Überzeugungen an Studenten weitergeben darf und soll...im Namen seiner Kirche! Die existentielle Krise der evangelischen Kirche wundert bei dieser Sachlage nicht!

P. Lukas



Zurück zur Startseite





Zisterzienserkloster Bochum-Stiepel - Am Varenholt 9 - D-44797 Bochum - Tel.: 0234 777050 - Fax: 0234 7770518 - Impressum