Ein Rundgang durch das Kloster...

Unterhalb finden Sie den Text unseres Klosterführers (erhältlich auch als kleines Heft mit vielen Bildern in unserem Klosterladen):

„Cistercium mater nostra“ - Cîteaux ist unsere Mutter

„Am Fest des heiligen Abtes Bernhard von Clairvaux wurden im Jahre 1988 vier Zisterzienser aus der Abtei Heiligenkreuz in Niederösterreich von ihrem Abt Gerhard Hradil zu einer Klostergründung in das Bistum Essen entsandt, wo sie unter dem zum ersten Prior bestellten Pater Beda Zilch bei der Kirche B.M.V. Matris Dolorosae in Bochum-Stiepel das klösterliche Leben begannen …“
So beginnt die auf Pergament geschriebene Urkunde, die am 3. Mai 1989 von Kardinal Hengsbach im Grundstein des neu errichteten Zisterzienserklosters eingesenkt wurde.

 

Warum eine Klostergründung in Stiepel?

Benediktinische Frömmigkeit und Lebensordnung haben in diesem Raum eine lange Tradition. Bis zum Ende des Jahres 1802 lebten Mönche nach der Regel des heiligen Benedikt in Essen-Werden in der vom hl. Liudger gegründeten Reichsabtei. Um diese Tradition weiterzuführen, war es ein Herzenswunsch des ersten Bischofs von Essen, Franz Kardinal Hengsbach (†1991), in Stiepel, dem einzigen Marienwallfahrtsort seiner Diözese, eine klösterliche Gemeinschaft anzusiedeln. Sein Ziel war es u. a., die jahrhundertealte Wallfahrt zur Schmerzhaften Mutter wieder zu intensivieren. Die Zisterzienser aus Heiligenkreuz entsprachen dem Wunsch des Kardinals und betreuen seit der Klostergründung im Jahre 1988 diesen Ort, der als geistliches Zentrum in die ganze Region ausstrahlt.

 

Wurzeln im Mittelalter

Als Stifter unseres Klosters war sich Kardinal Hengsbach bewusst, dass niemand Gegenwart und Zukunft gestalten kann, der sich nicht der Vergangenheit erinnert. Die Geschichte von Stiepel reicht bis ins Mittelalter zurück. Bereits um das Jahr 793 wird Stiepel im Urbarium der Reichsabtei Werden genannt. Kaiser Otto III. vergab am 27. April 1001 den Hof zu Stiepel an den Grafen Liudger aus dem sächsischen Geschlecht der Billunger. Liudger war mit Imma, einer Schwester Meinwerks, des späteren Bischofs von Paderborn, vermählt. Im Jahre 1008 wurde in Stiepel durch die hl. Gräfin Imma eine Eigenkirche „zu Ehren der seligen Jungfrau Maria“ errichtet. Dazu erteilte nach anfänglichem Zögern am 6. April 1008 auf Drängen König Heinrichs II. von Bamberg der hl. Heribert von Köln als zuständiger Erzbischof die Erlaubnis. Schon bald nach der Gründung dieses Gotteshauses in Stiepel führten Wallfahrten zur „hilligen kerken to Stiepel“. Im 15. Jh. rückte die Pietà, das gotische Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter, ins Augenmerk der Wallfahrer. Sie ist bis heute die Brücke zur ersterbauten Kirche in Stiepel, die infolge der Reformation seit dem 17. Jh. als Dorfkirche das Zentrum der evangelischen Kirchengemeinde geworden ist. Bis 1820 verblieb die Pietà dennoch an ihrem angestammten Platz, wechselte aber im 19. Jh. mehrfach den Besitzer und fand schließlich 1920 in der während des 1. Weltkrieges erbauten Wallfahrtskirche St. Marien ihren jetzigen Ort der Verehrung in Stiepel.

 

Wallfahrtskirche

1914/15 auf einer Anhöhe am südlichen Stadtrand von Bochum - mitten in der hier ländlich anmutenden Idylle des Ruhrtales - erbaut, befindet sich die Wallfahrtskirche ca. 3 km von der altehrwürdigen Dorfkirche entfernt. Mit ihrem kleinen Dachreiter als Fingerzeig nach oben ist sie das sichtbare Zentrum der in architektonischer Harmonie ab 1988 errichteten Klosteranlage der Zisterzienser.


Der Grundstein für die neugotische Wallfahrtskirche wurde am 10. Mai 1914 gelegt. Die dort eingemauerte Urkunde hat folgenden Wortlaut: „Zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Im Jahre 1914 nach Christi Geburt, am 10. des Monats Mai, unter dem Pontifikate Sr. Heiligkeit Pius X., unter der Regierung Wilhelm II., des deutschen Kaisers und Königs von Preußen, als Dr. Karl Joseph Schulte Bischof von Paderborn war, haben wir diesen Grundstein feierlich eingeweiht und gelegt zu Ehren der allerseligsten Jungfrau unter dem Titel „Mariae Himmelfahrt“, zur frommen Erinnerung an jene denkwürdigen Zeiten, wo alle Einwohner Stiepels durch das Band desselben Glaubens verbunden, die Himmelskönigin als ihre Patronin verehrten. ...“

Der Entwurf der Kirche wurde nach Plänen des Paderborner Architekten Franz Mündelein (1857-1926) ausgeführt. Um den Bau der Kirche hat sich der Neu-priester Walter Scharlewski durch Sammeln von Spenden besonders verdient gemacht, der als Vikar in Stiepel von 1911-1914 wirkte.

In der Fronleichnamsoktav 1920 wurde das bis 1908 als verschollen geglaubte Gnadenbild in feierlicher Prozession von Blankenstein nach Stiepel in die neu erbaute katholische Wallfahrtskirche geleitet. Schon 1921 zogen die ersten Pilger wieder zur Schmerzensmutter. Die nie vergessene Stiepeler Wallfahrtstradition bekam 1930 vom Paderborner Erzbischof Dr. Caspar Klein eine neue kirchliche Bestätigung. Damit war die Wallfahrt hier am Gnadenort auch offiziell wieder anerkannt.

 

Selbstständige Pfarrei

In den 20er Jahren des 20. Jh. wurde Stiepel der Stadt Bochum eingegliedert. 1955 wurde die katholische Kirche in Stiepel von ihrer Mutterpfarrei Blankenstein gelöst und zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Das Gotteshaus wurde damit auch Pfarrkirche. Die katholische Kirchengemeinde zählte damals etwa 900 Gläubige. Als im Jahr 1958 durch Papst Pius XII. das Bistum Essen im Ruhrgebiet errichtet wurde, war Stiepel zudem der einzige Marienwallfahrtsort der neuen Diözese. Ab den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts bedingte der Bau der Ruhr-Universität auch den Zuwachs der katholischen Pfarrgemeinde, die zu Beginn des 21. Jh. etwa 3600 Katholiken zählte. Die Pfarrgemeinde St. Marien ist nach mehr als 50 Jahren ihres Bestehens trotz der Krisen in Gesellschaft und Kirche eine lebendige Gemeinschaft mit vielen Aktivitäten für Jung und Alt. Sie reichen von Ministranten-, Kinder- und Jugendarbeit über Familienkreise, Kinder- und Kirchenchor zu ausgeprägten karitativen Hilfsaktionen in diversen Notsituationen, bis hin zu vielen Angeboten für Senioren. Trotz Strukturveränderungen im Bistum ab dem Jahre 2006 blieb die Kirchengemeinde unter ihrem Pfarrer P. M. Andreas Wüller O.Cist. „eigenständige Klosterpfarrei“, wie Bischof Felix Genn sie in seinem Hirtenwort betitelte.

 

Klostergründung

Dem ersten Bischof von Essen, Franz Kardinal Hengsbach, war die Ansiedlung von Ordensgemeinschaften und die Errichtung neuer Klöster in seiner Diözese ein sehr großes Anliegen. Für den einzigen Marienwallfahrtsort seines Bistums wünschte er sich eine benediktinische Gemeinschaft. Damit wollte er an die Tradition der schon erwähnten, 1803 aufgehobenen Benediktinerabtei in Essen-Werden anknüpfen. Gleichzeitig sollte das Kloster die Pfarr- und Wallfahrtsseelsorge am Ort übernehmen. Nach jahrelangem Drängen des Bischofs kamen die Zisterzienser aus Heiligenkreuz im Wienerwald seinem Wunsch entgegen. 1988 wurde mit der Entsendung der ersten vier Mönche der zwei Jahre zuvor gefasste Beschluss in die Tat umgesetzt und in Stiepel ein von der österreichischen Mutterabtei Heiligenkreuz abhängiges Priorat errichtet.


Dem jungen Kloster wurden bei seiner Gründung vor allem vier Hauptaufgaben übertragen: 1) das klösterliche Leben gemäß der Regel des hl. Benedikt und den Konstitutionen der Österreichischen Zisterzienserkongregation, 2) die Übernahme der Seelsorge in der kath. Pfarrgemeinde, 3) die Betreuung der Wallfahrt zur „Schmerzhaften Mutter von Stiepel“, 4) das Angebot der geistlichen Einkehr im Kloster (Exerzitien, Einkehrtage, Klosterführungen).

Betritt man die Kirche, fällt zunächst das am 11. Mai 2007 von Bischof Felix Genn feierlich gesegnete Altarkreuz ins Auge. Harmonisch in den neu gestalteten Altarraum eingefügt, spricht es uns in seinem expressiven Realismus an. Der geschundene Christus am Kreuz scheint unseren Blick zu suchen und den Kontakt mit dem Beter aufnehmen zu wollen. Gott offenbart seine Liebe im Leiden seines Sohnes. Zugleich erscheint der Gekreuzigte wie ein passendes Gegenüber zum Gnadenbild auf der Säule: in seiner Stilistik, in seinem verhaltenen Ausdruck, als zeitloses Andachtsbild aus einer großen Epoche der europäischen Kunst.

Die Liturgie ist die erhabenste Aufgabe der Mönche. Aus diesem Grund bekam der enge Chorraum der Kirche 2006/07 durch umfangreiche Umbaumaßnahmen eine neue Weite. Das provisorische Chorgestühl war zu klein geworden. Nicht nur ästhetische Gründe oder die der Praktikabilität waren für den Umbau des Chorraums ausschlaggebend, sondern vor allem die würdige Feier des Gottesdienstes. Altar und Tabernakel wurden von ihrer „Umklammerung“ durch das vormalige Chorgestühl befreit und so optisch wieder hervorgehoben. Der Ambo wurde von der Wand weggerückt und als „Tisch des Wortes“ näher zum Volk positioniert.

Zu dieser Umgestaltung, die mit Hilfe unseres Fördervereins, der W. und A. Deschauer Stiftung sowie vieler Einzelspender möglich war, gab unser Heiligenkreuzer Mitbruder Frater Raphael Wilfried Statt O.Cist., von Beruf akademischer Bildhauer und raumgestaltender Künstler, den Mönchen in Stiepel den entscheidenden Impuls. Der Bochumer Architekt Rainer Hedtfeld wurde beauftragt, das Projekt umzusetzen. Vom Denkmalamt gutgeheißen, wurde die charakteristische Formensprache der Kirche durch die beiden hinzugewonnenen gotisch überwölbten Chorseiten nicht verändert. Frater Raphael machte nicht nur den ersten Entwurf für den gesamten Altarraum, er zeichnete auch die Pläne für ein 24 Plätze umfassendes Chorgestühl, für den Priestersitz und weitere neun Sedilien sowie für einen dem Chorgestühl angepassten Ambo.

In Zusammenarbeit mit der Glasmalerei des Zisterzienserstiftes Schlierbach in Oberösterreich schuf Frater Raphael seine ersten Glasfenster für die beiden Seiten des erweiterten Chorraumes. Sie verdeutlichen das Grundmotiv des monastischen Lebens, das an jedem Morgen vom Vorsänger beim ersten Psalmengesang angestimmt wird: „Lasst uns mit Lob seinem Angesicht nahen, vor ihm jauchzen mit Liedern“ (Ps 95). Als Motive dienten Frater Raphael das Antlitz Jesu auf dem Grabtuch von Turin (links) wie auch das sog. „Volto santo“ auf dem Schleier aus Muschelseide von Manoppello in den Abruzzen (rechts)

Harmonisch fügt sich in diesem Raum alles zu einer gestalterischen Einheit. Der Tabernakel in der Mitte verlor seine ursprüngliche Schwere durch die Neuvergoldung und eine beinahe schwebend anmutende Aufhängung. Ein dezenter Goldhintergrund - ähnlich wie bei der Christusikone, beim Kreuzweg und der Pietà - hebt noch einmal die räumliche Einheit hervor. So wurden die schweren Altarleuchter wie die Kreuzwegstationen aufgehellt, neu positioniert und farblich der Bronze des Osterkerzenleuchters (Alfred Essler, Berchtesgaden -1996-) und des Taufbrunnenaufsatzes angeglichen.

Ein weiterer glücklicher Umstand war es, dass zur gleichen Zeit in unserem Mutterkloster Heiligenkreuz neue lateinische Chorbücher fertig gestellt wurden, deren großes Format die Gestaltung des Chorgestühls wesentlich beeinflusste. Diese Bücher wurden von den Mönchen selbst gesetzt und gebunden. Maßgeblichen Anteil an dieser Arbeit hatten P. Kosmas Thielmann und P. Pio Suchentrunk zusammen mit den Novizen. Ein besonderer Schmuck dieses Psalteriums sind vier Bilder des Malers Michael Fuchs aus Klosterneuburg bei Wien.

Auf der rechten Seite unterhalb der Christusikone steht der Taufbrunnen, der 1985 eine neue von Alfred Essler künstlerisch gestaltete Bronzekuppel erhielt. Sie erinnert in ihrer Form an den Kosmos: Aus der alten wird die neue Schöpfung unter dem Lebensstrom Gottes. „Und er zeigte mir einen Strom, das Wasser des Lebens, klar wie Kristall; er geht vom Throne Gottes und vom Lamme aus“ (Offb 22,1), so steht es am Fußrand der Kuppel. In der Form des Kreuzes umfließt der Lebensstrom die ganze Schöpfung, um sie umzuwandeln nach dem Wort „Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden“ (2 Kor 5,17).

 

Der hl. Bonifatius und die Eichsfelder

Der hl. Bonifatius (672-774), Apostel der Deutschen, wird nachweislich seit dem 14. Jh. auf dem Hülfensberg im Eichsfeld verehrt, da sein unerschütterlicher Glaube für den Anfang der Christianisierung besonders auch dieser Region steht. Bereits 1928 errichteten Eichsfelder, die im Ruhrgebiet arbeiteten, in der Stiepeler Wallfahrtskirche auf der rechten Seite einen Bonifatiusaltar. Zum 50. Wallfahrtsjubiläum am 17. Juni 1973 stiftete der Bund der Eichsfelder die heutige Bonifatiusskulptur, denn seit 1923 kamen durch Initiative des damaligen Stiepeler Vikars Philipp Fricke (1920-24), eines gebürtigen Eichsfelders, seine Landsleute an ihrem traditionellen Wallfahrtstag, dem Dreifaltigkeitssonntag, nach Stiepel. In ihrer Heimat ist der Hülfensberg bis heute ein Wallfahrtsort bei Geismar an der Frieda, der bis 1989 im ehemaligen Sperrgebiet der innerdeutschen Grenze gelegen war. Ziel der Wallfahrer ist dort ein romanisches Kreuz, der sogenannte „Gehülfe“ aus der Mitte des 12. Jh., das Christus als goldgekrönten König und Sieger über den Tod darstellt.

 

Kreuzweg in der Kirche

Den Kreuzweg unserer Kirche schuf 1994 der im selben Jahr verstorbene Wittener Bildhauer Karlheinz Urban. Sein letztes Werk war die 15. Station, die er wenige Monate vor seinem Sterben vollendete. Dazu schrieb der gläubige evangelische Künstler: „Weil uns jedoch nach dem Kreuzweggeschehen die Auferstehungstatsache entgegenleuchtet, entschloss ich mich, noch eine 15. Station zu gestalten, um Jesus Christus als sieghaften Helden, der Ketten und Tod überwand, zu zeigen... Das Unfassbare geschieht: Der Herr bricht mit elementarer Kraft das eiserne Tor des Todes auf! Wir sehen hier, wie die stärksten Ketten zerspringen. Er aber strahlt mit einem feinen Lächeln die Seinen an.“

 

Patrozinium

Alle Zisterzienserkirchen haben als Patrozinium den 15. August, die Aufnahme Mariens in den Himmel. Als die Mönche 1988 die Kirche zur Schmerzhaften Mutter von Stiepel anvertraut bekamen, war es für sie eine Freude zu entdecken, dass dieses Gotteshaus der in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter geweiht worden war. Pastor Joseph Busche hat im Marianischen Jahr 1954 daran erinnert, indem er auf der rechten Seite neben dem Lourdes-Fenster (Immaculata-Fenster) das Mariä-Himmelfahrt-Fenster schaffen ließ. Mit diesen letztgenannten Fenstern wollte er zugleich an die beiden Dogmen der „Unbefleckten Empfängnis Mariens“ (1854 durch Papst Pius IX.) und der „leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel“ (1950 durch Papst Pius XII.) erinnern.

Am 6. April 2008, dem 1000. Jahrestag der Übergabe der Stiftungsurkunde durch den hl. Heribert an die hl. Gräfin Imma von Stiepel zur Errichtung einer Eigenkirche, hat der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, eine Reliquie des hl. Heribert im rechten Chorraum der Kirche eingesetzt. Diese Reliquienfassung wie auch die für den hl. Heinrich auf der linken Chorseite wurde nach einem Entwurf von Frater Raphael Statt durch den Wiener Goldschmied Stephan Saghy angefertigt.

Die Hauptzufahrt der Gesamtanlage ist als Glockentor konzipiert und beherbergt fünf Glocken, gegossen 1991 in der Glocken- und Kunstgießerei Petit & Gebr. Edelbrock aus Gescher. Die feierliche Weihe (Konsekration) erfolgte am 9. Oktober 1992 durch den Essener Bischof Dr. Hubert Luthe.

 

Klosterfest und Wallfahrten

Nachdem in den späten 60er bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts die Wallfahrtsbewegung allgemein zurückging, erfuhr Stiepel als Wallfahrtsort mit der Klostergründung im Jahr 1988 eine neue Belebung. Ein bedeutendes Ereignis ist das jährliche Klosterfest. Bis zu 2.000 Menschen versammeln sich jeweils am Pfingstmontag zur Eucharistiefeier am Freialtar. Zum Dreifaltigkeitssonntag kommt traditionell die „Eichsfelderwallfahrt“ als älteste große Wallfahrt der Geschichte Stiepels im 20. Jh. Ferner haben die Schlesier in Stiepel eine Beheimatung gefunden, indem sie jeweils zum Fest Mariä Himmelfahrt hierher pilgern. Neben diesen größeren Wallfahrten sind es aber vor allem die kleineren Pilgergruppen, die Stiepel heute ihr Gepräge geben, sowie auch viele, die als Einzelne zur Schmerzhaften Mutter von Stiepel ihre Sorgen tragen oder an den Sonn- und Feiertagen unsere Gottesdienste besuchen. Von Mai bis Oktober ist traditionell jeder Mittwoch der Tag der Wallfahrt mit einem speziellen Programm. Die vom Gründungsprior des Zisterzienserklosters P. Beda Zilch O.Cist. eingeführte Monatswallfahrt (an jedem 11.) erfreut sich als „geistliches Schwungrad“ das ganze Jahr hindurch großer Beliebtheit.

Prämisse aller Tätigkeiten im Kloster ist der benediktinische Grundsatz, dass dem Gottesdienst nichts vorgezogen werden darf. Als Seelsorger halten die Zisterzienser Einkehrtage, Exerzitien sowie Klosterführungen. Die Wallfahrtskirche ist zudem eine beliebte Hochzeitskirche. Stiepeler Mönche werden überdies um Seelsorgeaushilfe in der näheren Umgebung gebeten.

 

Tätigkeiten im Kloster Stiepel

Neben dieser Arbeit im Weinberg des Herrn gibt es im Kloster Stiepel wichtige Aufgaben, die von Mitbrüdern wahrgenommen werden: der Kämmerer und Koch, der Gastmeister und Bibliothekar, der Pater im Klosterladen, der Gärtner, Schafzüchter und Hausmeister. Die „Declaratio“ des Generalkapitels der Zisterzienser nennt vor allem fünf Tätigkeiten, die für die Mönche charakteristisch sind: Seelsorgedienst, Jugenderziehung, handwerkliche Arbeit, Gästebetreuung, kulturelle und wissenschaftliche Aufgaben. Letzteres wird auch dadurch gewährleistet, dass Mitbrüder von Stiepel an der Päpstlichen Phil.-Theol. Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz studieren oder auch - trotz der räumlichen Entfernung - unterrichten. In allem aber soll, wie es der hl. Benedikt sagt, Gott verherrlicht werden (RB 57).

 

Einblick hinter die Klostermauern

Das Klostergebäude wurde nach dem Entwurf des Bochumer Architektenbüros Roman Reiser und Partner 1989/1990 vom Bistum Essen gebaut. Die Leitung des Bauausschusses hatte der Finanzdirektor der Diözese, Josef Oberberg, der als Familiar des Zisterzienserordens weiterhin dem Kloster Stiepel eng verbunden ist. Es soll keine Wehrburg bilden, sondern seine Mauern markieren einen heiligen Ort, der sich nur im Licht des Glaubens erschließt.

 

Die Bernardikapelle

Die Bernardikapelle, zwischen Kirche und Kreuzgang errichtet, ist ein kleiner runder Zentralbau der Stille und Anbetung, wo jeder Mönch und Gast in Zwiesprache mit dem Herrn sich geborgen weiß. Der von einem goldenen Granatapfel gekrönte Tabernakel (entworfen von Roman Reiser) birgt das Allerheiligste, Christus, ohne den wir keine Frucht bringen können. Im Zentrum der Bernardikapelle steht ein sechseckiger Altar (Entwurf Klaus Böker) aus Ruhrsandstein, in den Reliquien unseres Ordensvaters, des hl. Bernhard von Clairvaux, sowie des Märtyrers der Nächstenliebe, des hl. P. Maximilian Maria Kolbe, eingesetzt wurden. Zwischen Grisaillefenstern (Entwurf Prof. Dr. Heinz Dohmen, gestiftet vom Verein der Freunde und Förderer des Zisterzienserklosters Bochum-Stiepel und nachempfunden den über 800 Jahre alten romanischen Kreuzgangfenstern von Heiligenkreuz) steht eine Kopie der frühgotischen sogenannten „Muthmannsdorfer Madonna“. Sie ist eine Gabe der Mutterabtei Heiligenkreuz zur Gründung im Jahre 1988 und zugleich sprechendes Zeichen dafür, dass alle Zisterzienserklöster der Gottesmutter geweiht sind.

 

Die Klausur

Der moderne Kreuzgang von Stiepel in der Klausur ist durch seine Architektur ein Ort der Abgeschiedenheit und gleichzeitigen Offenheit in ebenmäßiger Harmonie: Geschieden vom Lärm der Welt, umschließt das Quadrum einen Raum der Stille, der durch seinen Innenhof nur zum Himmel hin offen ist. Der Blick richtet sich nach oben und überwindet so jegliche Enge. In dieser klassischen Form gestaltet, dient der Kreuzgang der Stille, dem Lesen und Meditieren wie auch der täglichen Prozession der Mönche. Zudem verbindet er alle wesentlichen Gemeinschaftsräume miteinander. Hier wird räumlich fassbar, was den Klosteralltag bestimmt: der gleichmäßige Rhythmus von ora, lege et labora. Immer wieder kreuzen sich diese Wege von Beten, Lesen und Arbeiten und münden schließlich in das eine Ziel, der Suche nach Gott (vgl. RB 58,7). Die Südseite des Kreuzganges ist als Kollationsgang der allabendlichen Lesung gewidmet. Hier sitzen die Mönche auf einer Holzbank, während einer von ihnen das Martyrologium des nächsten Tages vorliest, das heißt die Lebensbeschreibungen der christlichen Märtyrer und Bekenner, die als Fürsprecher und Vorbilder verehrt werden. Die sonst kahle Wand wird von einem kunstvollen Kreuz geziert. Es ist ein Geschenk unserer Mutterabtei, das der Benediktinermönch Bruder Bernward Schmid OSB aus der Abtei Seckau in der Steiermark in den 1970er Jahren angefertigt hat.

Von hier aus werfen wir einen Blick auf die schöne Dachlandschaft von Bernardikapelle und Kirche. Vor uns sprudelt der achteckige Brunnen, gefertigt wiederum aus Ruhrsandstein. Achteckig waren die ältesten byzantinischen Taufsteine und Baptisterien. Der achte Tag galt seit der frühen Kirche als Tag der Auferstehung und der Neuschöpfung. Ein Achteck umschließt letztlich die Kreuzesform und deutet hin auf den Kreis: Der ganze Erdkreis ist erlöst im Zeichen des Kreuzes. Das Zusammenspiel von schlichten, konstruktiv-elementaren Formen verleiht dem Brunnen diese symbolische Ausdruckskraft: Wasser als lebensspendendes Element, das aus dem „Felsen“ fließt, Quelle, die nicht versiegt: Symbol für die Liebe, von der der hl. Bernhard sagt: „Sie muss heimfließen zu ihrem Quell und aus ihm schöpfen, um immerfort strömen zu können.“

An der Ostseite des Kreuzgangs liegen Kapitelsaal, Bibliothek und die Sakristei. Der Kapitelsaal ist der Versammlungsort der Mönchsgemeinde. Von hier aus gibt der Obere Weisungen für das Leben der Gemeinschaft nach der Regel des hl. Benedikt und den Konstitutionen des Ordens. Links vom Kapitelsaal führt die Tür in die zweigeschossige Bibliothek. Seit jeher sind die Klöster Träger der Kultur. Auch heute ist für ein Kloster die Bibliothek lebensnotwendig, um die geistige Fortbildung sowie die Lectio Divina („göttliche Lesung“) der Mönche zu ermöglichen, in der Gott selbst durch das Betrachten seines Wortes das Herz aufschließt. Rechts vom Kapitelsaal führt eine Tür zum Mönchsrefektorium (Speiseraum) und zum Rekreationszimmer, das der Erholung der Mönche dient. Mit der leiblichen Nahrung soll auch geistliche Speise durch die Tischlesung, die beim Essen nie fehlen darf, aufgenommen werden.

Am Osttrakt des Kreuzganges liegt der Kapitelsaal der Mönche. Der Name wird abgeleitet von der Regel des hl. Benedikt, die in 73 Kapitel unterteilt ist. Um sich vom Geist dieser 1500 Jahre alten Weisung leiten zu lassen, versammeln sich die Mönche fast täglich zum Kapitel. Wichtige Ereignisse der Gemeinschaft finden hier ihren passenden Ort: die Einkleidung von Novizen oder die Ablegung der zeitlichen Gelübde (einfache Profess). Der Abt bzw. Prior führt den Vorsitz als Stellvertreter Christi im Kloster. Hier wird auch am jeweiligen Jahrestag der Verstorbenen (Äbte, Mitbrüder, Wohltäter) gedacht, die im sog. Nekrologium verzeichnet sind. Der Stiepeler Kapitelsaal wird geprägt von Grisaillefenstern, die in Anlehnung an Kreuzgangfenster in Heiligenkreuz von Prof. Dr. Heinz Dohmen entworfen worden sind und vom Förderverein des Klosters finanziert wurden. Hinter dem Platz des Oberen steht das Wertvollste, das altehrwürdige Kapitelkreuz, das den vier Gründermönchen am 20. August 1988 von Abt Gerhard Hradil O.Cist. als Aussendungskreuz für die Neugründung übergeben wurde.

 

Kreuzweg im Freien

Seit dem Jahr 2001 ersetzen 14 Kreuzwegstationen in Graugussausführung des Künstlers Ernst Rasche, Mülheim die früheren Skulpturen aus dem Jahr 1926, die durch wiederholten Vandalismus beschädigt wurden. Der Kirchenvorstand der Pfarrgemeinde überantwortete die alten Kreuzwegplastiken im Jahr 2002 dem Kloster für seinen Kreuzgang. Auch der neue Kreuzweg fiel wiederholt dem Vandalismus zum Opfer. Mit Hilfe der Polizei konnten jedoch alle gusseisernen Tafeln wieder aufgefunden werden. Sie wurden in Stelen aus Edelstahl (Entwurf Dipl.-Ing. Klaus Beckmann) gesichert, die dank der Heinrich und Alma Vogelsang Stiftung und der Firma Oberste Beulmann von den Franz-Sales-Werkstätten in Essen (Behinderteneinrichtung) im Jahr 2006 angefertigt wurden.

 

Der Glaubensweg Mariens

Als besonderer Ort der Besinnung ist - ähnlich wie der Kreuzweg - der Glaubensweg Mariens angelegt. In den im Jahr 1926 entstandenen Bildstöcken aus Ruhrsandstein sind seit 1982 vierzehn Darstellungen aus dem Leben Mariens zu betrachten - gemalt von Egon Stratmann, Hattingen -, für die Pater Walter Kromer MSC, der frühere Pfarrer von Stiepel, die Meditationen schrieb.