Vorsehung

"Die Vorsehung Gottes ist weiser als wir. Wir sind der Meinung, dass unser Befinden besser werde, wenn wir ein anderes Schiff besteigen. Ja, aber es wird nur dann so sein, wenn wir selbst anders werden." (Franz von Sales)

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Kommentare: 1
  • #1

    Franz (Sonntag, 26 Mai 2013 22:16)

    Abhandlung über die Gottesliebe II
Auszug: 
14. Kapitel
    Erläuterung über das Sterben unseres Willens.
    1. Die heiligste Jungfrau fand wohl eine solche Freude daran, ihren lieben kleinen Jesus in ihren Armen zu tragen, daß diese Freude ihr jede Müdigkeit nahm oder wenigstens ihr die Müdigkeit liebenswert machte. Denn wenn schon das Tragen eines Zweigleins des Agnus castus den Wanderer erquickt und ihm die Müdigkeit nimmt (s. VIII,5), welche Linderung bereitete es erst der glorreichen Mutter, das unbefleckte Lamm Gottes (Joh 1,36; 1 Petr 1,19) zu tragen! Ließ sie ihr Kind auch manchmal auf den eigenen Füßen gehen, indem sie es bei der Hand hielt, so geschah dies nicht deshalb, weil sie es nicht gerne trug, denn sicher hätte sie es lieber an ihrer Brust getragen und seinen Arm um ihren Hals geschlungen gehabt. Sie tat es vielmehr, damit es sich darin übe, allein seine Schritte zu machen und selbst zu gehen.
    2. Und wir, Theotimus, können als kleine Kinder des himmlischen Vaters auf zweierlei Weise mit ihm gehen. Erstens können wir mit den Schritten unseres eigenen Wollens gehen, das wir dem seinen anpassen, indem wir immer mit der Hand unseres Gehorsams die der göttlichen Absicht halten und ihr überallhin folgen, wohin sie uns führt. Das ist das, was Gott von uns durch die Offenbarung seines Willens fordert. Denn will er, daß ich das tue, was er befiehlt, so will er auch, daß ich den Willen habe, es zu tun. Gott hat mir seinen Willen kundgetan, daß ich den Tag der Ruhe heilige. Da er will, daß ich das tue, will er auch, daß ich es tun will, daß ich folglich mein eigenes Wollen habe, mit dem ich seinem Wollen folge

    3. Aber wir können auch mit dem Herrn gehen, ohne ein eigenes Wollen zu haben; wir können uns, wie ein kleines Kind in den Armen seiner Mutter, ganz einfach von seinem göttlichen Wohlgefallen tragen lassen durch eine bestimmte Art wundersamer Einwilligung, die man Vereinigung oder besser noch Einheit unseres Willens mit dem Willen Gottes nennen kann. Und das ist die Weise, wie wir trachten sollen, uns im Willen des göttlichen Wohlgefallens zu verhalten. Denn die Wirkungen dieses Willens entspringen einzig der Vorsehung Gottes; sie kommen, ohne daß wir etwas dazu tun. Freilich können wir wollen, daß sie dem Willen Gottes gemäß geschehen, und dieses Wollen ist sehr gut. Wir können aber auch diese Fügungen des göttlichen Wohlgefallens durch eine ganz einfache Stille unseres Willens entgegennehmen, der gar nichts will, sondern einfach allem zustimmt, was Gott in uns, an uns und aus uns machen will.